Wolfgang Wittenburg

 

° Autor

 

° Journalist

 

° Sprecher

 

PRESSEBÜRO


WITTENBURG


TV-Tipps September 2020

„Gundermann“, Mi., 30.9., 20.15 Uhr, ARD

Preisgekrönter Kinofilm (in Co-Produktion mit Rundfunk Berlin Brandenburg von 2018) mit 119 Minuten Überlänge und einem hervorragenden Alexander Scheer als DDR-Mann Gerhard Gundermann: Der war ein Spitzel (IM Gregory), der bespitzelt wurde. Eine Erkenntnis, die den Liedermacher Gerhard „Gundi“ Gundermann (er bremst auch für Igel) in der Nachwendezeit hart trifft. Lange hatte sich der Sänger seine Stasi-Tätigkeit als IM ab 1976 in seiner ostdeutschen Heimatstadt Hoyerswerda selbst schöngeredet. Verdrängt, wie viele Informationen und Details er gesammelt und an seinen Führungsoffizier weitergegeben hat. Doch nun holt ihn seine Vergangenheit ein. Er muss sich seiner eigenen Schuld stellen und der Frage: Warum? Was hatte ihn, den damaligen Idealisten, den Lieder schreibenden Baggerfahrer, der für ein System kämpfte, für das er selbst zu kritisch und rebellisch war, dazu bewogen, sich instrumentalisieren zu lassen? Mit Axel Prahl, Bjarne Mädel, Milan Peschel und Peter Sodann ist dieser historische RBB-Film (Regie Andreas Dresen) zudem bestens besetzt.

TV-Tipps Oktober 2020

„Freund oder Feind – Ein Krimi aus Passau“, Do., 1.10., 20.15 Uhr, ARD

Start eines neuen Donnerstags-Krimi im Ersten (aber gefehlt hat der nicht wirklich): Es beginnt mit einer historischen Kurz-Szene im verschneiten Wald – dann ist es 1950 später. Frederike Bader (Marie Leuenberger) und ihre Tochter Mia (Nadja Sabersky) sind Neuankömmlinge in Passau (an der Donau). Die Vergangenheit der beiden hat so gut wie nichts mit dem zu tun, was Arbeitgeber, Kollegen und Nachbarn von ihnen wissen, und das ist ohnehin wahrlich nicht viel. Nicht einmal die Namen stimmen. „Frederike Bader“ war noch vor wenigen Monaten Kommissarin beim Berliner LKA (Landeskriminalamt). „Mia Bader“ hat zwei Jahre Knast hinter sich, verbüßt in einer Berliner Frauenhaftanstalt. In „Freund oder Feind“ sind Mutter und Tochter sind im Rahmen des Zeugen-Schutzprogramms in die Drei-Flüsse-Stadt Passau gekommen, nachdem die Kriminalkommissarin in einem Prozess gegen den Chef eines arabischen Hauptstadt-Clans ausgesagt hatte. Am Ende geht es zurück zum Anfang in den verschneiten Wald – und dort wird es brutal und blutig.

Hinweis: Die zweite Folge „Die Donau ist tief – Ein Krimi aus Passau“ kommt am Do., 8.10, 20.15 Uhr, im Ersten

„Fritzie – Der Himmel muss warten (1/6)“, ab Do., 1.10., 20.15 und 21.00 Uhr, ZDF

Mit jeweils zwei Episoden hintereinander startet die neue, sechsteilige Miniserie um eine Lehrerin, die plötzlich an Brustkrebs erkrankt und damit umzugehen hat: Brustkrebs im fortgeschrittenen Stadium – die Diagnose ihrer Ärztin ist ebenso unerwartet wie eindeutig und reißt Lehrerin Fritzie Kühne (Tanja Wedhorn) den Boden unter den Füßen weg. Fritzie verdrängt den Schock und kehrt an ihre Schule zurück. Direktorin Selma, ihre beste Freundin, hat gerade Ärger mit Schülerin und Umweltaktivistin Hanna, die mit einer spektakulären Aktion die Klimadebatte anfeuern will. Fritzie gerät zwischen die Fronten. Doch damit nicht genug: In ihrer Klasse muss sich Fritzie, die an der Berliner Rosalind-Franklin-Schule Sport und Biologie unterrichtet, schützend vor den unsicheren Otto stellen, weil er von Anführer Leon und dessen Clique tyrannisiert wird. Zu Hause streiten Fritzies 16-jähriger Sohn Flo und ihr Mann Stefan (Florian Panzner): Flo möchte unbedingt den Moped-Führerschein machen. Stefan, der als Polizist arbeitet, ist strikt dagegen. Kein existenzielles Thema, wie Fritzie findet, denn eigentlich muss sie dringend etwas anderes mit ihrer Familie besprechen …

Hinweis: Sechs Folgen der Serie „Fritzie – Der Himmel muss warten“ werden donnerstags, ab 20.15 Uhr, immer in Doppelfolgen ausgestrahlt.

„Billy Kuckuck – Aber bitte mit Sahne“, Fr., 2.10., 20.15 Uhr, ARD

Dritter Film der Reihe mit Aglaia Szyszkowitz als Mainzer Gerichtsvollzieherin: Was für Billy Kuckuck (Aglaia Szyszkowitz) nach Routine aussieht, endet für ihren aufbrausenden Klienten Karl Löwe (Karl Kranzkowski) dramatisch: Er landet mit einem Herzinfarkt im Krankenhaus. Der Inhaber einer Traditionskonditorei soll einen E-Scooter im Internet gekauft und nicht bezahlt haben. Hartnäckig bleibt er dabei: Er habe den Roller weder bestellt noch erhalten. Billy sieht das anders, und diesmal will sie ganz nach Vorschrift handeln. Seltsamerweise engagiert sich ihre Mutter Christel Geuskens (Ursela Monn) sehr für den Mann, bis Billy hinter das Geheimnis kommt: Karl war deren Jugendliebe. Als weitere Vollstreckungsbescheide für ihn eintreffen, ist auch Billys Misstrauen geweckt. Sollte es sich tatsächlich um eine böse Verwechslung handeln? Auch wenn Gerichtsvollziehern eigene Recherchen untersagt sind – Billy kann nicht anders …

„Zwischen uns die Mauer“, Sa., 3.10., 11.00 Uhr, ZDF

Gut gemachter 110-Minuten-Kinofilm (von 2019) nach dem gleichnamigen Roman von Katja Hildebrand über eine deutsch-deutsche erste Liebe während einer Ausfahrt der Kirchenjugend: Als die 17-jährige Anna Wagner (Lea Freund) 1986 zum ersten Mal von Westdeutschland nach Ostberlin kommt, verliebt sie sich in den gleichaltrigen Philipp Rieger (Tim Bülow). Trotz der Mauer wagen die beiden die schwierige Beziehung. Die Entschlossenheit der beiden jungen Menschen stößt aber immer wieder an die Grenzen einer politisch nicht gewünschten Situation. So wächst bei Pastorensohn Philipp der Wunsch, in den Westen zu fliehen. Anna bemerkt das mit Sorge. Aber was soll die Alternative sein? Der sehenswerte Film (zu einer unmöglichen Sendezeit!) erzählt eine Wiedervereinigungs-Geschichte, die man sich in all ihrer Dramatik so kaum hätte ausdenken können. Nach dem Roman einer wahren Begebenheit zeigt der Film das Schlüsselerlebnis der Jugend von Autorin Katja Hildebrand. Während der Trennung der beiden deutschen Staaten fand sie ihre erste große Liebe jenseits der Mauer. Sie und ihr Freund mussten schmerzvoll erleben, wie die Mauer ihre Beziehung behinderte und schließlich auch beendete. Das besondere „Wunder“ dabei: Nach dem Mauerfall und nach Jahren ohne jeden Kontakt trafen sie sich eines Tages im wiedervereinten Deutschland wieder – und blieben dann zusammen.

„Katarina Witt – Weltstar aus der DDR“, Sa., 3.10., 16.00 Uhr, ARD

Interessante und 52 Minuten dauernde Dokumentation (Erstsendung war gerade erst am Mi., 23.9.2020, 22.15 Uhr, auf ARTE) über den Eislaufstar vom Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) von 2019: Die zweifache Olympiasiegerin Katarina Witt ist die erfolgreichste Sportlerin in der Geschichte des Eiskunstlaufs. Sie war das „schönste Gesicht des Sozialismus“ und die einzige Sportlerin der DDR, die bereits vor der Wende ein internationaler Showstar war. Der Film „Katarina Witt - Weltstar aus der DDR“ von Jobst Knigge zeigt den Weg des Mädchens aus Sachsen bis nach Hollywood. Die Privilegien hatten einen Preis: Katarina Witt wurde systematisch von der Stasi überwacht. Für die TV-Dokumentation öffnet sie erstmals nach Jahrzehnten ihre Stasi-Akten.

„Ein starkes Team – Starke Schnitte“, Sa., 3.10., 20.15 Uhr, ZDF

Nächster und gerade einmal durchschnittlicher Fall für die beiden Berliner Ermittler – denn der junge Inhaber eines exklusiven Friseursalons wird am Auto im Hinterhof mit dem Pfeil einer Armbrust getötet. Otto Garber (Florian Martens) und Linett Wachow (Stefanie Stappenbeck) beginnen, in der Berliner Schickeria zu ermitteln, und decken dabei einige Abgründe auf. Offensichtlich war es eine Verwechslung und es sollte der Star-Friseur Berlins, Benno Rohde (Harald Schrott), getötet werden. Doch der Pfeil steckt nun in der Brust seines Geschäftspartners Charly Köster. Otto und Linett gegenüber verhält sich Rohde sehr bedeckt, was potenzielle Täter angeht. So glamourös wie auf den ersten Blick ist Rohdes Leben nicht. Sein Laden stand vor dem Ruin und konnte nur mithilfe seines nun toten Kollegen gerettet werden. Sein ehemaliger Kompagnon Kai Franke (Vladimir Burlakov) hasste ihn, weil er dessen Ruf und damit seine Karriere kaputtgemacht hat. Als plötzlich Rohdes Sohn verschwindet, überschlagen sich die Ereignisse. Und wer bis um Schluss durchhält, der wird mit einigen computeranimierten Frisuren vom ewigen Sidekick der Reihe Sputnick (Jaecki Schwarz) fürs Ermittler-Team „belohnt“ …

„Pan Tau (1/6)“, ab So., 4.10., 10.10 Uhr, ARD

Interessante Neuverfilmung (die aber nicht an das tschechische Original herankomt): Elegant, schweigsam und doch für jede Menge fantastischer Überraschungen gut – Pan Tau (Matt Edwards) ist kein gewöhnliches Schul-Maskottchen. Seine außerirdischen Zauberkräfte setzt der Mann mit der Melone immer dann ein, wenn ein Kind der Westpark-Schule Hilfe braucht. Und die Probleme der Jugendlichen sind vielfältig: Eine Mitschülerin schnappt dir die Rolle im Musical weg? Fiese Influencer wollen den Ruf deines Vaters ruinieren? Deine heimliche Liebe scheint unerreichbar? Egal, wo der Turnschuh drückt, Pan Tau ist zur Stelle – mit einem Lächeln und fantastischer Magie, die einen zum Staunen und zum Lachen bringt. Mal lässt er Badewannen fliegen, mal beamt er dich in deinen Lieblingsroman. Diesen unsichtbaren Freund wünscht sich wohl jeder. Dabei sind die wahren Helden der Serie die Mädchen und Jungen selbst, denen der liebenswürdige Zauberer zur Seite steht, ob auf dem Schulhof oder zu Hause bei der Familie. Ist nette Unterhaltung, erinnert an die Märchen-Filme des Ersten – aber die deutsche Synchronisation ist gewöhnungsbedürftig. Und Sophie von Kessel spielt Theodore Frangos, Helmfried von Lüttichau den Mordock und Tom Gerhardt den Hausmeister.

Hinweis: 14 Folgen der Serie „Pan Tau“ kommen in Doppelfolgen immer sonntags, 10.10 Uhr.

„Tatort – Ein paar Worte nach Mitternacht“, So., 4.10., 20.15 Uhr, ARD

Nächster, aber eher mittelprächtiger Fall aus Berlin, zum 30-jährigen Jubiläum der Deutschen Einheit und mit Rolf Becker als Todesopfer gleich zu Beginn: Denn der Berliner Bauunternehmer Klaus Keller (Rolf Becker) wird an seinem 90. Geburtstag erschossen auf seinem Balkon über den Dächern der Stadt aufgefunden. Um seinen Hals hängt ein Schild mit den Worten: „Ich war zu feige, für Deutschland zu kämpfen“. Keller war der Seniorchef einer großen Berliner Baufirma, sein derzeitig größtes Projekt war der Bau eines Dokuzentrums über die Shoa in Israel. Ein rechtsradikaler Mordanschlag? Viel scheint dafür zu sprechen. Doch dann nimmt der Fall eine andere Wendung. Ein Jugendfoto von Tatopfer Klaus und seinem Bruder Gert (Friedhelm Ptok) ist aus der Wohnung des Toten verschwunden. Hat der Mord etwas mit den beiden Brüdern zu tun? Wirtschaftswunderkind und Wendegewinner der eine – Stasimajor, SED- Funktionär und Wendeverlierer der andere. Zwei Nachkriegswege, die mit der Teilung Deutschlands auseinander liefen und sich auch nach '89 nicht wiedervereinigen konnten. Die Ermittler Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) fragen nach dem Warum und tauchen ein in eine komplexe Familiengeschichte, in der auch die Generation der Söhne eine wichtige Rolle spielt.

„Nord Nord Mord – Sievers und die schlaflosen Nächte“, Mo., 5.10., 20.15 Uhr, ZDF

Foto: ZDF - Georges Pauly
Foto: ZDF - Georges Pauly

Nächster gut gemachter Montagskrimi der Reihe, in der eindeutig die Nordseeinsel Sylt der Hauptdarsteller ist – und dazu Peter Heinrich Brix als Kommissar Carl Sievers. Gleich zu Beginn finden zwei Müllmänner eine männliche Leiche auf dem Flugplatz vor einem Auto – einem historischen Porsche. Der tote Pilot ist einer von zwei Söhnen von Sievers neuer Vermieterin Greta Hansen (Marie Anne Fliegel), die im Seniorenheim lebt und just ihren 80. Geburtstag feiert. Die „schlaflosen Nächte“ bereiten Kommissar Sievers in seiner neuen Bleibe Hahnenschreie inmitten der Nacht und deshalb sucht er auch wieder seine Therapeutin Tabea (Viktoria Trauttmandorff) auf. Zwischendurch geht es um Stromverbrauch, Flugangst, Seekrankheit und 38.400 Euro. Schließlich geht es mit der James-Bond-Filmmusik „Golden Eye“ zum Ellenbogen und dadurch zum Täter. Auffallend ist noch, dass die drei Ermittler dieses Mal kein Büro haben, sondern i-pad, Reetdachhaus von Sievers und Polizeibus müssen reichen.

„Böse Wetter –Das Geheimnis der Vergangenheit“, Mi., 7.10., 20.15 Uhr, ARD

Wiederholung vom Mo., 3.10.2016 – damals hieß der Film nur „Böse Wetter“: Dies ist die letzte Filmarbeit von Götz George! Der spielt den grantigen und dubiosen Friedrich Türnitz an der früheren deutsch-deutschen-Grenze im Harz. Dorthin kehrt Geophysiker Leonard Gehra (Matthias Koeberlin) nach Jahren zurück, nicht nur um die unrentable Mine von Türnitz zu retten, der aber gar nicht will, das jemand den Stolen erforscht. Für den Technik-Experten Gehra wird die Reise nach einem Besuch seiner Mutter (Gudrun Landgrebe) immer mehr auch zu einer Suche nach der Wahrheit im Zusammenhang mit dem Tod seines Vaters, eines Bergarbeiters zu DDR-Zeiten unter Tage verunglückt war. Eben hat der Experte noch einen Mini-Roboter vorgestellt, der Silber suchen kann, und dann stürzt in seiner alten Heimat auch schon der erste Stollen ein. Die große Frage ist: „Wer war IM Brocken?“ Bei der Suche stehen Leonard Gehra einige ebenso überraschende wie schmerzhafte Entdeckungen bevor, auch wenn einige davon zu erahnen sind.

„Helga – die zwei Gesichter der Feddersen“, Mi., 7.10., 0.00 Uhr, NDR-Fernsehen

Oje, da gibt es wieder einmal Perlen-vor-die-Säue-Alarm im NDR-TV! Warum nur wird diese sehenswerte und 90-minütige TV-Dokumentation über Volksschauspielerin Helga Feddersen zu deren 90. Geburtstag (ihr Todestag jährt sich zum 30mal) zu nachtschlafender Sendezeit versendet?! Jedenfalls ist es ein aAnrührendes Porträt einer außergewöhnlichen Frau, die vor allem als „Ulknudel“ in den 1960er Jahren weit über die Grenzen Hamburgs hinaus bekannt wurde. Jenseits ihrer schrillen Auftritte, gekennzeichnet auch durch eine unverwechselbare Physiognomie, die zugleich ihr Markenzeichen wie ihr Fluch war, besaß Helga Feddersen eine andere Seite: die einer vom Leben gebeutelten, verletzlichen Außenseiterin mit kreativem Talent und der Größe, ihre Rolle als Spaßmacherin illusionslos zu reflektieren. Unter Einbeziehung prominenter Freunde und Kollegen Helga Feddersens (wie Frank Zander, Co-Moderator in der ARD-Musiksendung„Plattenküche“, Dieter Hallervorden, Co-Sänger des Ulk-Hits „Du, die Wanne ist voll“) zeichnet Regisseur Oliver Schwabe das Porträt einer komplexen Persönlichkeit, die als Überlebenskünstlerin stets ihr bestes gab.

„Fritzi – Eine Wendewundergeschichte“, Mi., 7.10., 20.15 Uhr, ARTE

Das ist filmisch mal etwas gang anderes zum 30-jährigen Wendefest – ein Animationsfilm: Leipzig, 1989: Liebevoll kümmert sich die zwölf-jährige Fritzi um Sputnik, den kleinen Hund ihrer besten Freundin Sophie, die über die Sommerferien mit ihrer Mutter nach Ungarn gefahren ist. Doch zum Schulanfang kehrt Sophie nicht in die Klasse zurück. Wie viele andere ist sie in den Westen geflohen. Mutig macht sich Fritzi auf die Suche nach ihrer Freundin und gerät in ein Abenteuer, das die Zukunft des ganzen Landes verändert. Authentisch, detailgetreu und mit sicherem Gespür für Atmosphäre schildert der bewegende Animations-Film die Revolution im Herbst 1989 aus dem Blickwinkel eines Kindes. Eine spannende und unterhaltsame Wende-Erzählung über die Kraft und den Mut, die Geschichte zu verändern.

„Anna und ihr Untermieter“, Fr., 9.10., 20.15 Uhr, ARD

Wiedersehen mit Katerina Jacob (früher „Der Bulle von Tölz“ mit Otti Fischer): „Dem Unvollkommenen zuzustimmen, erleichtert das Leben“ findet Anna Welsendorf (Katerina Jacob). Und unvollkommen ist einiges, als die muntere Kölnerin mit Anfang 60 plötzlich ohne Job dasteht. Immerhin hat die temperamentvolle Hobbygärtnerin jetzt mehr Zeit für ihre Enkelin Nele und ihr Ehrenamt bei der Kölner Telefonseelsorge. Um finanziell besser über die Runden zu kommen, inseriert Anna das ehemalige Kinderzimmer ihrer alleinerziehenden Tochter zur Untermiete. Auf die Anzeige meldet sich Herr Kurtz (Ernst Stötzner), vormals Leiter des Ordnungsamts Köln-Süd, seiner eigenen Familie überdrüssig und mit Vornamen Werner. Der kauzige Pensionär erweist sich als Technokrat vom Scheitel bis zum Satzbau. Als Anna bei der Telefonseelsorge eine anonyme Anruferin in Lebensgefahr wähnt, entschließt sie sich diesmal, alle Regeln außer Kraft zu setzen: Irgendwie muss sie es schaffen, die verzweifelte Philosophie-Studentin ausfindig zu machen! Helfen könnte ihr Herr Kurtz mit seinen Beziehungen zum Amt, wenn das nicht seiner Art widerspräche. Mit ihrem besonderen Charme gelingt es Anna jedoch, den hyperkorrekten Ex-Beamten doch noch aus der Reserve zu locken …

„Wilsberg – Prognose Mord“, Sa., 10.10., 20.15 Uhr, ZDF

Wiederholung vom 3.3.2018: Leider hat es schon wesentlich bessere und kurzweiligere gegeben, als diesen: Denn schwunglos und unspannend kommt dieser „Wilsberg“-Krimi daher! Nach einer Geburtstagsfeier wird ein Mann ermordet, der nicht nur Steuerfahnder-Kollege von Ekki Talkötter (Oliver Koritke) war, sondern auch verdeckt fürs LKA gewirkt hat und zudem noch mit Ekkis Jugendliebe Hanna Lehnhoff (Katrin Bühring) verheiratet war. Das sind Zufällle – und daran entspinnt sich eine langatmige Geschichte um einen Telefon-Shop-Besitzer (der ist der nächste Tote) und Ekki uns Alex (Ina Paule Klink) müssen sich als Migranten verkleiden, damit Georg Wilsberg (Leonard Lansink) weiter kommen kann. Am Ende bleibt nur die Hoffnung: Hoffentlich erreicht der nächste Krimi der Reihe wieder die gewohnte Qualität.

„Ein starkes Team – Tod und Liebe“, Sa., 10.10., 21.45 Uhr, ZDF

Wiederholung vom 11.2.2017: Während Martin Gast (Rainer Hunold) in einem Berliner Park auf einer Bank sitzt und Zeitung liest, erschießt sich etwas weiter ein Rentner selber. Klar, dass Taxifahrer Gast etwas mit diesem „Selbstmord“ zu tun haben muss, was aber die Verbindung ist, das muss „Ein starkes Team“ erst mit der Zeit herausfinden. Interessant ist dieser Samstagskrimi um die Ermittler Otto (Florian Martens) und Linett (Stefanie Stappenbeck) – und die Spur der Geschichte reicht in die frühere DDR zurück und hat mit den Machenschaften der Stasi (Staatssicherheit) zu tun. Lange hat man Rainer Hunold (sonst gute Hauptfigur im ZDF-Freitagskrimi „Der Staatsanwalt“) nicht mehr als Bösewicht gesehen, der seine Opfer psychologisch unter Druck setzt. Auch Teresa Harder als dubiose Besitzerin eines Antiquitäten-Ladens ist stark besetzt. Und zum Schluss kriegt der mürrische Otto eine neue (bunte) Mütze verpasst und stellt fest: „Ich sehe aus wie die Kaffeekanne meiner Oma!“

„Babylon Berlin (1/12)“, ab So., 11.10., 20.15 Uhr, ARD

Fortsetzung des TV-Events – Berlin im September 1929: eine Metropole in Aufruhr. Ökonomie und Kultur, Politik und Unterwelt – alles befindet sich in radikalem Wandel. Spekulation und Inflation zehren bereits an den Grundfesten der immer noch jungen Weimarer Republik. Wachsende Armut und Arbeitslosigkeit stehen in starkem Kontrast zum Exzess und Luxus des Nachtlebens und der nach wie vor überbordenden kreativen Energie der Stadt. „Babylon Berlin“ erzählt in der neuen, dritten Staffel die Geschichte des jungen Kommissars Gereon Rath (Volker Bruch) weiter, der sich in den Illusionswelten des 20er-Jahre-Stummfilmkinos zu verirren scheint, während um ihn herum der Wahnsinn herrscht: Menschen verschulden sich, die Hochfinanz spekuliert auf den Untergang, und die rechtsnationale Partei versucht, Polizei und Verwaltung sukzessive mit kaltblütigen Mitteln zu unterwandern.

Hinweis: Weitere Doppel-Folgen kommen dann am Mi., 14.10., Do., 15.10., Mi., 21. 10. und Do., 22.10, jeweils ab 20.15 Uhr, im Ersten

„Die Spur der Mörder“, Mo., 12.10., 20.15 Uhr, ZDF

Gleich zu Beginn dieses ZDF-Mittelmaß-Krimis (Erstsendung war am Fr., 18.10.2019 auf ARTE) gibt es erst einmal wie es der viel rauchende Ermittler Ingo Thiel (Heino Ferch) sagt: „4 bis 5 Tote in der Lutherstraße“. Basierend auf dem wahren Fall der Mafia-Morde von Duisburg (2007) kehrt Heino Ferch nach „Ein Kind wird gesucht“ als Kriminalhauptkommissar Ingo Thiel mit diesem Film zurück. Diesmal muss er mit seiner Sonderkommission einen kaltblütigen Mehrfachmord aufklären, der ihn hinter die Fassade der verborgenen Mafia-Aktivitäten in Deutschland blicken lässt. Unterstützung erhält er dabei von der Interpol-Ermittlerin Carla Orlando (Verena Altenberger). Die Spuren führen die beiden schließlich bis zu den Wurzeln der ‘Ndrangheta nach Kalabrien. Dort muss Ingo Thiel erkennen, dass Carla Orlando sehr viel mehr mit der Mafia verbindet als nur ihr aktueller Fall und auch ein Happy End gibt es hier (natürlich) nicht.

„Das schweigende Klassenzimmer“, Di., 13.10., 20.15 Uhr, ZDF

Foto: ZDF - Julia Terjung
Foto: ZDF - Julia Terjung

Absolut sehenswerte TV-Erstsendung dieses starken Kinofilms (nach dem gleichnamigen Roman von Dietrich Garstka), der auf wahren Begebenheiten beruht und in der DDR, im Herbst 1956 spielt: Die Abiturienten Theo und Kurt sehen im Kino die „Wochenschau“-Bilder des Ungarn-Aufstandes. Der verzweifelte Kampf der jungen Menschen um Demokratie berührt vor allem Kurt. Über den Westrundfunk erfahren die beiden mehr über den Aufstand und diskutieren die Ereignisse mit ihren Klassenkameraden. Als im RIAS zu Schweigeminuten für die Opfer aufgerufen wird, sind sie begeistert von der Idee, ein Zeichen der Solidarität zu setzen. Doch es gibt auch Gegenstimmen. Insbesondere Erik (Jonas Dassler) folgt der DDR-Deutung der Vorgänge in Ungarn als Konterrevolution. Schließlich wird abgestimmt – die Mehrheit ist für die Geste der Solidarität. Im Geschichtsunterricht schweigt die ganze Klasse eine Minute lang – mit fatalen Folgen. Die Klassengemeinschaft wird auf eine harte Probe gestellt. Die Schüler werden einzeln verhört, gegeneinander ausgespielt und bedroht. Der Konflikt wird in die Elternhäuser getragen. Hier herrscht Angst, und die Kinder werden angehalten, klein beizugeben, um das Abitur nicht zu gefährden. Schließlich steht Volksbildungsminister Lange (Burghart Klaußner) höchstpersönlich bei ihnen im Klassenzimmer und spricht ein Ultimatum aus. Wenn nicht bis kurz vor Weihnachten das Schweigen gebrochen und der Anstifter benannt ist, wird die Klasse aufgelöst. Die Verhörmethoden werden immer perfider.

„Der Ku-Klux-Klan – Eine Geschichte des Hasses (1+2)“, Di., 13.10., ab 20.15 Uhr, ARTE

Zweimal 52 Minuten hintereinander weg – so sendet ARTE diese interessante Dokumentation von ARTE France als Erstausstrahlung: Der Ku-Klux-Klan ist die älteste terroristische Organisation der USA. Der 1865 gegründete Geheimbund hat viele Jahrzehnte überlebt und ging selbst aus Niederlagen noch gestärkt hervor. Seit über 150 Jahren macht der Klan immer wieder Schlagzeilen. Sein von Hass, Rassismus, Ausgrenzung und Gewalt geprägtes Programm findet heute wieder Zulauf in ganz Amerika.

„Heldt (1/12)“, ab Mi., 14.10., 19.25 Uhr, ZDF

Dies ist die achte und letzte Sendestaffel (gestartet im Jahr 2013) mit zwölf neuen Folgen des seichten Bochum-Vorabendkrimis: Zunächst sind es die Detektive selbst, die Hilfe suchen, denn Markus Mehrling (Andreas Berg) alias „Sherlock Holmes“ ist spurlos verschwunden. Er war offenbar auf einer ganz heißen Spur. Diese Informationen, überbracht von zwei aufgeregten Frauen, sind für Ermittler und Süßigkeiten-Fanatiker Nikolas Heldt (Kai Schumann) anfangs eher verwirrend. Schnell wird klar, dass Mehrling, von Beruf Kaufhausdetektiv, der Vorsitzende des Bochumer Hobby-Detektiv-Klubs ist. Dort beschäftigt man sich mit der Analyse von realen, unaufgeklärten Kriminalfällen und entwickelt Theorien, was die Polizei vielleicht übersehen haben könnte.

Hinweis: Elf weitere neue „Heldt“-Folgen werden mittwochs, um 19.25 Uhr, im ZDF, ausgestrahlt

„Reiterhof Wildenstein“, Fr., 16.10., 20.15 Uhr, ARD

Nach einem erfolgreichen Start mit zwei Filmen im letzten Jahr, kommen nun zwei weitere Filme um eine Pferdeflüsterin (Klara Deutschmann) am idyllischen Starnberger See – es geht darin (wie so oft) um Existenznot, Lügen, Geldnot, unklare Liebe und einen falschen Vater … Als guter und feiner Neuzugang steigt Michaela May als unkonventionelle Tante Michi ein. Die kommt in Film Nummer drei „Neuanfang“ nach 16 Minuten mit einer überladenen roten Citrön Ente: „Ich ziehe hier ein! Was sonst!“ Beide sind renommierte Schauspieler, beide sind Münchner Urgesteine, aber für einen Film habe Michaela May (58, „Polizeiruf 110“) und Gerd Anthoff (74, „Unter Verdacht“) noch nie zusammen gewirkt – bis jetzt: Als unkonventionelle Tante Michi steigt Michaela May ab Film Nummer drei „Der Neuanfang“ in die ARD-Reihe „Reiterhof Wildenstein“ (16. und 23, Oktober, je 20.15 Uhr) ein. Gerd Anthoff spielt den Anwalt der Familie und Michis Ex-Mann Hubert Merow – was Michaela May sehr freut: „Das ist für uns beide Premiere in einem Film und es war für uns beide jetzt sehr schön, zusammen zu spielen. Wir haben zwar schon zusammen Hörspiele und Lesungen gemacht, aber noch keinen Film gedreht. Wir beide kennen uns über die Jahre, was im bayerischen Raum nicht ausbleibt, aber ein Film-Partner von mir war Gerd Anthoff bisher nie.“

Hinweis: Der vierte Film der Reihe „Reiterhof Wildenstein – Der Junge und das Pferd“, kommt dann am Fr., 23.10., 20.15 Uhr, ARD – und zwei weitere werden gerade für 2021 produziert.

„Die Chefin (1/10)“, ab Fr., 16.10., 20.15 Uhr, ZDF

Da ist sie wieder – Katharina Böhm als (Erdnuss-verrückte) Münchner Kommissarin Vera Lanz und für die gibt es für 10 Folgen wieder viel zu ermitteln. Die Episode „Nachtgestalten“ ist der Auftakt: Als der Familienvater Wolfgang Ackermann (Oliver Mommsen) nachts nach Hause kommt, findet er seine Ehefrau Diana tot in der Küche vor. Alles deutet auf einen Einbruch hin. Die beiden jugendlichen Kinder des Paares, Sophie und ihr seit Jahren schwer an Leukämie erkrankter Bruder Marlon, hatten sich heimlich aus dem Haus geschlichen, um in einem Münchner Klub zu feiern. Sie kehren erst nach dem Eintreffen der Polizei zurück. Hatte es der Dieb auf die Schmerzmittel des krebskranken Sohnes abgesehen und ist dabei von Diana überrascht worden? Ermittler Paul Böhmer (Jürgen Tonkel) aktiviert seine Verbindungen ins Münchner Milieu, um mögliche Verdächtige zu ermitteln. Doch etwas scheint an den Aussagen der Zeugen nicht zu stimmen.

„München Mord – Ausnahmezustand“, So., 17.10., 20.15 Uhr, ZDF

Foto: ZDF - Jürgen Olczyk
Foto: ZDF - Jürgen Olczyk

Wer den Fußball-Fan von 1860-München im Blumenwasser ertränkt? Dieser Frage geht das komische Ermittler-Team in diesem Fußball-Krimi (der Ausnahmezustand ist nach einem Topspiel) um Ludwig Sxchaller (Alexander Held), Angelika Flierl (Bernadette Heerwagen) und Harald Neuhauser (Marcus Mittermeier) nach: Denn der Giesinger Fußballverein hat wieder einmal verloren. Kommissar Neuhauser und Kollegin Flierl begießen das Spiel in einer herrlichen typischen Fan-Kneipe und stoßen prompt auf einen Toten. Sie informieren Schaller. In dem alten Arbeiterviertel toben die Fans der „Blauen“. Doch den Kommissaren schlägt bei ihrer Befragung eine Mauer des Schweigens entgegen. Hier verrät keiner den anderen. Mindestens zwei Menschen haben jedoch ein Motiv: die Ehefrau Leana und Kumpel „Breitner“ (Jürgen Tonkel). Aber auch der Wirt des „Kronenstüberls“, Armin Gusthoff (Ernst Hannawald), verhält sich seltsam. Er entzieht sich immer wieder den Befragungen. Am Ende sitzt Flierl mit Leana in einem sehr aufschlussreichen Gespräch zusammen, Schaller erfährt das Seinige beim Eierlikör mit der herrlichen Frau Birgel (Barbara de Koy), und Harald stellt „Breitner“ im Bereitschaftsbus sicher. Am nächsten Morgen haben die drei Kommissare mit ihren eigenen Mitteln den Fall gelöst, ohne Giesing auch nur ein Mal verlassen zu haben.

„Tatort – Züri brännt“, So., 18.10., 20.15 Uhr, ARD

Ein Mann aus kurzer Distanz erschossen und dann angezündet – das ruft die beiden neuen Schweizer Kommissarinnen Tessa Ott (Carol Schuler) und Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher) auf den Plan: Diese zwei ungleichen Kommissarinnen müssen sich für die Lösung eines mysteriösen Mordfalles zusammenraufen. Die Ermittlungen führen die Frauen zurück in das bewegte Zürich der 1980er Jahre. Dabei stochern die Polizistinnen in diesem nur mäßig guten Krimi bei den Verdächtigen schonungslos in alten Wunden und reißen diese wieder auf. Auch ein drogenabhängiger Freund von Ott gerät in die Schar der Verdächtigen und verdeutlicht vor allem eines: Zürich mag zwar die größte Stadt der Schweiz sein, sie ist aber auch ein Dorf. Akribisch fügen Grandjean und Ott ihr Ermittlungspuzzle zusammen, bekommen so ein genaueres Bild. Doch als beim Abschiedsapéro für den scheidenden Polizeikommandanten schaurige Kurirerpost eintrifft, wird der Fall in eine neue Dimension katapultiert. Und statt einem, sind die Kommissarinnen plötzlich mit mehreren Mordopfern konfrontiert.

„Solo für Weiss – Schlaflos“, Mo., 19.10., 20.15 Uhr, ZDF

Foto: ZDF - Christine Schroeder
Foto: ZDF - Christine Schroeder

Nächster Schleswig-Holstein-Krimi mit Anna Maria Mühe als LKA-Ermittlerin Nora Weiss – und wie brutal es da wieder in unserem nördlichsten Bundesland zugeht. Es geht um Drogen und Kinderhilfe – und am Ende kann man nur sagen: Besondere Vorsicht gilt Greisen im Rollstuhl! Bei der Observation einer Drogenübergabe geht dem LKA Kiel der polizeibekannte Dealer Jesper Alm ins Netz. Doch er kann sich befreien und erschießt dabei Marie von Wenzel. Alms Freundin Silvia kann mit ihm fliehen – allerdings ohne die Drogen. Da Zielfahnderin Nora Weiss (Anna Maria Mühe) die Familie des erschossenen Mädchens kennt, wird sie von ihrem Vorgesetzten von dem Fall abgezogen. Nora beginnt (natürlich) trotzdem, mit der Unterstützung ihrer Kollegen Simon Brandt (Jan Krauter) und Jan Geissler (Peter Jordan), im Umfeld der Familie von Wenzel zu ermitteln.

„Der gute Bulle – Friss oder stirb“, Fr., 23.10., 20.15 Uhr, ARTE

Wiederholung vom 26.4.2019, ARTE: Krimis des Hamburger Autors und Regisseurs Lars Becker (macht fürs ZDF auch die Krimireihe „Nachtschicht“) sind immer auch Millieu-Studien, weil die Figuren sehr genau erzählt sind: Mit dem Untertitel „Friss oder stirb“ kommt der erste ZDF-Film einer möglichen Reihe: Darin kommt Armin Rohde als „guter Bulle“ Fredo Schulz einen brisanten Sonderermittlungseinsatz im Drogendezernat Berlin-Neukölln. Nach zwei Minuten: „Entweder sagst du mir die verfickte Wahrheit oder ich schieß dir die Eier weg!“ – oder passiert! Ein verdeckter Ermittler wurde erschossen und der ausgebuffte Polizeirat Schulz, Witwer und Ex-Alkoholiker am Ende seiner Karriere, wird mit der Auflösung des heiklen Falls beauftragt. Zusammen mit seinem Partner, Hauptkommissar Milan Filipovic (Edin Hasanovic), gelingt es ihm, eine junge Dealerin als Informantin zu gewinnen. Doch schon bald werden die beiden Ermittler das Gefühl nicht mehr los, dass sie in den eigenen Reihen ein Leck haben und Tote soll es auch noch mehr geben.

„Helen Dorn – Kleine Freiheit“, Sa., 24.10., 20.15 Uhr, ZDF

Foto: ZDF - Georges Pauly
Foto: ZDF - Georges Pauly

Die Düsseldorfer LKA-Ermittlerin macht alles zur Übersiedelung nach Hamburg klar – und mit Bildern von Rethehubbrücke, Argentinienbrücke, Köhlbrandbrücke und Elbbrücke wird das wohl auch dem Publu8km deutlich: Kriminalhauptkommissarin Helen Dorn (Anna Loos) steht immer noch stark unter dem Eindruck des Mordes an ihrem Chef Mattheisen. Da führt sie ein neuer Fall von Nordrhein-Westfalen nach Hamburg. Der Fall eines vor 14 Jahren verschwundenen Jungen hat Helen Dorn nie losgelassen. Sie musste den mutmaßlichen Täter Ron Faber (Jörn Hentschel) damals laufen lassen, das vermisste Kind tauchte nie wieder auf. Als Helen über eine Intrapol-Meldung zufällig erfährt, dass Faber in Hamburg nach einem Unfall aufgegriffen wurde und die Einsatzkräfte im Laderaum seines Lieferwagens die Leiche eines chinesischen Jungen entdeckt haben, macht sie sich Hals über Kopf auf den Weg in die Hansestadt. Helen versucht, Ron Faber im Krankenhaus zur Rede zu stellen, um das Schicksal des Jungen zu ergründen. Doch Faber gibt vor, nach dem Unfall an Amnesie zu leiden, und lässt Helen auflaufen. Sie beginnt, hinter dem Rücken der Hamburger LKA-Kollegen Katharina Tempel und Timo Berger zu ermitteln, und gelangt auf ihrer Spurensuche in die Bar „Kleine Freiheit“ (mit der herrlichen Jessica Kosmalla als Wirtin Marlene) auf dem Hamburger Kiez, in der Ron Faber regelmäßig verkehrte. Durch Ermittlungen stößt sie schließlich nicht nur auf ein Wespennest von Menschenhandel und moderner Sklaverei, sondern auch auf ein menschliches Drama um Schuld, Sühne und Rache.

„Tatort – Krank“, So., 25.10., 20.15 Uhr, ARD

Ich stehe hier vorm Gericht und vor mir liegt ein Toter! Wo bist Du?“ Mit dieser Nachricht von Majorin Bibi Fellner auf der Mailbox von Chef-Inspektor Moritz Eisner beginnt der der 48. „Tatort“ aus Wien. Die Ermittler geraten mitten in einen ziemlich brutalen Glaubenskrieg zwischen Schulmedizin und alternativen Heilmethoden: Als ein kleines Mädchen nach dem Einsatz sogenannter „sanfter Medizin“ ums Leben kommt, schlägt das hohe Wellen, und es entbrennt ein erbitterter, hochemotionaler Streit. Denn auf der Suche nach Heilung sind verzweifelte Menschen bereit, sämtliche Grenzen zu überschreiten – und auch vor Gier, Erpressung und Korruption nicht zurückzuschrecken. Harald Krassnitzer über seinen 48. „Tatort“: „Der Regisseur Rupert Henning hat einen sehr spannenden, feinfühligen und differenzierten, durchaus kritischen, aber nicht einseitig belasteten Weg gefunden, die neue Geschichte zu erzählen. Es ist eine Geschichte, die einen Einblick in eine sehr kleine Welt gibt, in der ein tragisches Schicksal seinen Lauf nimmt, eine Welt, in der ein Kind im Grunde genommen an einer ganz einfachen Halsentzündung stirbt, wo schließlich eine viel größere Interessenlage erkennbar wird. Und das führt uns in die Abgründe einer großen Industrie und hinter die Kulissen dieser Apparate – wo es schließlich nicht um Medizin, sondern um Geld geht.“

„Ella Schön –Feuertaufe“, So., 25.10., 20.15 Uhr, ZDF

Foto: ZDF - Marc Vorwerk
Foto: ZDF - Marc Vorwerk

Nun kommen mal wieder zwei andere Sonntagsfilme im ZDF: Denn Ella Schön (Annette Frier) hat nach dem Tod ihres Mannes Thomas nebst Schulden nicht nur ein Haus auf Fischland, sondern auch die alleinerziehende Christina (Julia Jäger), die mitsamt ihrer beiden kleinen Kinder in eben diesem Haus lebt. Nun aber steht Ella unter Schock: Denn die angehende Anwältin mit Asperger-Autismus verliert ihr Zuhause durch einen Brand („ungut“) und somit auch die Wohngemeinschaft mit Freundin Christina und deren Kindern. Die Aufregung auf Fischland hört nicht auf. Christinas Sohn Ben ist in einen Autounfall mit Fahrerflucht verwickelt, den seine Freundin Juli verursacht hat. Ella soll Juli vor Gericht verteidigen, doch dafür muss sie erst hinter das Geheimnis des jungen Paares kommen. Nach dem Brand zieht Ella ins Hotel, Christina mit den Kindern zu ihrer Mutter auf deren Hausboot. Obwohl die streng rationale Ella zunächst überzeugt ist, dass ihr der Verlust von Haus und Umfeld nichts ausmacht, zeigt sich schon bald, dass ihr das Fehlen von Bezugspersonen und gewohnter Struktur stärker zusetzt als gedacht. Hauptdarstellerin Annette Frier aus? „Ella Schön hat das Asperger-Syndrom, sie ist Autistin und alles muss bei ihr seine Ordnung haben. Zur Vorbereitung habe ich mir dazu viele Videos im Netz angeschaut. Besonders geachtet habe ich auf Gestik, Mimik und Verhaltensweisen. Ich habe mir die Filme wiederholt angesehen und so bot sich mir die Möglichkeit, meine Ella zu finden.“

Hinweis: Der nächste Film „Ella Schön – Schiffbruch“, kommt am So., 1.11., 20.15 Uhr, ZDF

„Das Tal der Mörder“, Mo., 26.10., 20.15 Uhr, ZDF

Foto: ZDF - Bernd Schuller
Foto: ZDF - Bernd Schuller

Sie kommt mit dem Zug – und sie fährt am Ende wieder mit dem Zug – dann mit Tränen in den Augen und um eine Fossil reicher: Eva (Anna Unterberger) beginnt unter falschem Namen auf dem Hof der Familie Gasser als Haushaltshilfe zu arbeiten. Sie will Beweise für die Behauptung ihrer kürzlich verstorbenen Mutter Alma finden. Denn diese sagte, dass Marmor-Hersteller Anton „Toni“ Gasser (Fritz Karl) Evas Vater ermordet habe, um sich an ihr, Alma, zu rächen. Der charismatische Machtmensch Gasser macht es Eva nicht leicht. Er wittert etwas Besonderes in Eva und öffnet ihr sein Herz. Auch für seine Söhne Jakob (Franz Dinda) und der immer kranke Florian (Gerrit Klein) ist Eva mehr als eine Haushaltshilfe. Eva kämpft gegen ihre ambivalenten Gefühle für Gasser und seine Söhne an, schwankt zwischen Zuneigung, Angst und Faszination und wird gegen ihren Willen immer tiefer in die Machtkämpfe der Familie hineingezogen. Anton Gasser ist ein charmantes Monster, aber ist er auch ein Mörder? Um das herauszufinden, muss Eva das Vertrauen des misstrauischen Gassers gewinnen – und dabei kommt sie ihm näher, als ihr lieb sein kann.

„Exit“, Mi., 28.10., 20.15 Uhr, ARD

Ungewöhnlicher Film mit Friedrich Mücke, irgendwie gerade für einen öffentlich-rechtlichen Sender (hier der Südwest Rundfunk SWR) auch ein Experiment, aber leider macht es nach zehn Minuten schon nur noch wenig Lust auf den Rest: Digitales ewiges Leben – „Infinitalk“ macht dies in Zukunft möglich. Ein Startup hat eine künstliche Intelligenz entwickelt, die nicht nur den Geist und das Wesen eines Menschen digitalisiert, sondern ihn komplett simuliert: Aussehen, Stimme, Sprache, Humor. Linus, Luca, Bahl und Malik befinden sich in Tokio im Jahre 2047. In einem Hotel stehen sie kurz davor, ihr „Infinitalk“ an den Unternehmer Linden Li zu verkaufen. Nach diesem Deal hätten sie alle finanziell für immer ausgesorgt. Luca, die Ex-Verlobte von Linus, macht allerdings einen Rückzieher und ist gegen das Geschäft. Am nächsten Morgen ist sie verschwunden, ohne eine Nachricht an ihre Kollegen hinterlassen zu haben. Auf der Suche nach Luca entwickelt Linus langsam aber sicher Zweifel an seinen Freunden, an seinen Feinden und letztendlich an sich selbst. Ist die ganze Welt überhaupt noch real oder nur eine Simulation?

„Matze, Kebab und Sauerkraut“, Do., 29.10., 20.15 Uhr, ZDF

Foto: ZDF .- Daniela Incoronato
Foto: ZDF .- Daniela Incoronato

Mitunter etwas überschwängliche, aber doch gute und kurzweilige Komödie über zwei befreundete Jungen / Männer: Denn seit ihrer Kindheit (1998 in Berlin) sind Noah (Franz Dinda) und Akim (Omar El-Saeidi) die besten Freunde. Sie haben sich geschworen, dass nichts zwischen sie kommt – schon gar keine Frau. Doch damals wussten sie noch nichts von Charlotte (Christine Eixenberger). Das Schicksal nimmt seinen Lauf, als Noah unvermittelt vor Charlottes VW Käfer Cabrio läuft. Die Folgen: ein Schlag auf den Kopf und Liebe auf den ersten Blick. Doch leider ist Charlotte vergeben. Als Lehrer und Aushilfs-Caterer Akim die junge Frau auf deren Verlobungsfeier sieht, ist es auch um ihn geschehen. Trotz ihrer unterschiedlichen Religionen – Noah ist Jude und Akim Moslem – spielte der Glaube nie eine Rolle zwischen den Freunden. Auch ihre Familien (Noahs Eltern sind gut gespielt von Andrea Sawatzki und Francis Fulton-Smith) sind seit Jahr und Tag befreundet. Doch die Begegnung mit Charlotte ändert alles. Zwischen den „Best Buddies" beginnt ein erbittertes Duell um die Traumfrau. Dabei zeigt sich, dass Toleranz auch bei den beiden Familien doch eher eine Einbahnstraße zu sein scheint. Denn die junge Frau ist blond, blauäugig, deutsch und katholisch: ein No-Go für die ach so assimilierten Familien Hirschmann und Abu Yazid. Matze oder Kebab, was schmeckt besser? Vor allem mit Sauerkraut, Charlottes Lieblingsgericht? Das Schicksal nimmt seinen Lauf.

„Papa auf Wolke 7“, Fr., 30.10., 20.15 Uhr, ARD

Oliver Mommsen als Wolkenforscher mit Asperger-Syndrom in Berlin und zwei jugendlichen Kindern. Der Witwer will beruflich unbedingt nach Spitzbergen gehen, die Kids sollen ihr Leben aufgeben und mitkommen, wollen den Vater deshalb aber besser wieder an eine Frau bringen, damit er einen guten Grund hat, doch in Berlin zu bleiben. Während sich seine Kinder aber heimlich bei der Online-Partnersuche in Klemens‘ Namen überlegen, wie sie ihm die Dates unterschieben können, geschieht unbemerkt von selbst das kleine Wunder: Papa verliebt sich in Lani (Minh-Khai Phan-Thi), Opas gewitzte neue Haushaltshilfe. Leider hat die Sache einen Haken: Lani ist glücklich liiert mit Martin (Andreas Guenther), der ihr einen Heiratsantrag machen möchte. Um sie zu überzeugen, muss Klemens über seinen Schatten springen. Einen Vorteil hat er bei seinem Werben: Lani ist genauso von Wolken fasziniert wie er. Oliver Mommsen spielt die Figur Klemens Kurz in der ARD-Komödie „Papa auf Wolke 7“ – warum hat er zur Rolle des autistischen Wolkenforschers nicht Nein gesagt? „Ganz klar, ich war für diese Rolle schon etwas auf der Spur, weil ich im Jahr 2018 auf der Bühne die Figur des Professor Ever Montgomery in dem Stück ,Die Tanzstunde‘ in der ,Komödie am Kurfürstendamm‘ spielen durfte. Diese Figur bewegte sich auf dem gleichen Spektrum, dessen Spezialgebiet waren Umweltkatastrophen und deren Folgen, am New York Institut of Technologie. Das war auch eine Figur, die sich mit Naturwissenschaft beschäftigt und die Auswirkungen auf den Menschen. Ever ist Autist, verabscheut jeglichen Körperkontakt und muss wegen einer Preisverleihung mit seiner Nachbarin tanzen lernen.“ Und nun spielt er so eine ähnliche Figur in einem Film? „Richtig, als das Angebot auf mich zukam, habe ich mich sehr gefreut, denn es gibt für mich nichts Schöneres, als wenn du etwas gearbeitet hast, was danach ruht und dann kannst du daran weiterarbeiten. Ich konnte mein angeeignetes Fachwissen und alles, was ich über Autismus herausgefunden hatte, nehmen und bei der Filmfigur des Klemens Kurz einen Schritt weitergehen.“

„Der gute Bulle – Nur die Toten reden nicht“, Fr., 30.10., 20.15 Uhr, ARTE

Erstsendung des zweiten ZDF-Montagskrimis mit Armin Rohde, der Hauptkommissar Fredo Schulz oder „Der gute Bulle“ verkörpert. Sein Kollege, der jüngere Hauptkommissar Milan Filipovic (Edi Hasanovic) ist über die Ermordung seiner Freundin so verzweifelt, dass er seinen Abschied aus dem Polizeidienst nimmt. Aber an seinem letzten Arbeitstag wird er zusammen mit seinem Kollegen Fredo Schulz zum Flughafen gerufen, wo der Zoll eine sogenannte Schluckerin mit über einem Kilo Kokain im Körper gestellt hat. Auf dem Weg zur Wache muss die Frau dringend zur Toilette. Der Stopp an der Raststätte wird für Milan zur tödlichen Falle: Ein Mann, der ihnen offenbar vom Flughafen gefolgt ist, erschießt ihn kaltblütig, schlägt Fredo nieder und entkommt mit der Frau. Fredo Schulz jagt den Mörder seines Kollegen und er muss zudem mit Hilfe der Anonymen Alkoholiker seine Sucht in den Griff bekommen.

„Schatten der Mörder“, ab Fr., 30.10., 20.15 Uhr, ZDF

Der New Yorker Polizist Max McLaughlin reist 1946 in die geteilte Stadt Berlin, um bei der Errichtung einer Zivilpolizei nach amerikanischem Vorbild zu helfen. Max ist Tom Franklin unterstellt, dem US-Vizekonsul in Berlin, dessen fragile und verführerische britische Frau Claire sich sofort zu Max hingezogen fühlt. Ihr Auftreten bei gesellschaftlichen Veranstaltungen, ihr Hass auf die Deutschen und ihre hemmungslosen Flirts machen sie zu einer schillernden Persönlichkeit. Max ist bezaubert, spürt aber gleichzeitig die Gefahr, die von ihr ausgeht. Auf deutscher Seite arbeitet er mit der Hauptkommissarin Elsie Garten (Nina Hoss) zusammen, deren Mann in einem russischen Kriegsgefangenenlager interniert ist. Ihre Einsatztruppe besteht im Wesentlichen aus Frauen und Waisenkindern, denen Stuhlbeine als Schlagstöcke dienen und die ihr Revier in einer stillgelegten Bank bezogen haben. Gleichzeitig ist er auf der Suche nach seinem vermissten Bruder Moritz, mit dem er durch ein traumatisches Erlebnis in seiner Kindheit unheilvoll verbunden ist. Aber auch die Russen machen Probleme.

Hinweis: Vier Langfolgen „Schatten der Mörder - Shadowplay“ werden ausgestrahlt: Sa., 31. Oktober, 20.15 Uhr, So., 1. November, 22.15 Uhr und Mo., 2. November, 22.15 Uhr

 

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